Von andibude AM 18.10.2013

Blogparade: Mein erstes Barcamp

#BarcampDUS 2013

Obwohl ich mich für einen wohlinformierten Büdchenbesucher halte, ist der Begriff „Barcamp“ spurlos an mir vorübergezogen. Bis zum August 2013. Ich bin in Hamburg: Hier regnet´s und die Hafensänger sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. Ein Freund erzählt mir von dieser Art von Veranstaltung und droht mir Besuch an. Ich bin skeptisch. „Keine Agenda?“, fragte ich. Da mein analoges Leben auch gut ohne Agenda Setting auskommt, antworte ich: „Essen und trinken ist mit drin?“ Die Geschichte nahm ihren Lauf. Kurz darauf lernte ich www.mixxt.de kennen. Ein klasse Tool um Veranstaltungen zu organisieren. Lesezeichen setzen!

Der Countdown

Ein paar Wochen vorher bestellte ich mir ein Ticket für schlappe 16,- Euro. Je näher die Veranstaltung rückt, desto mehr begann ich nach Barcamps, do´s & dont´s zu recherchieren und mir neue Passwörter von diversen Social Media Accounts zuzuschicken lassen, bei denen ich mich irgendwann mal angemeldet hatte.

Bislang fand meine Kommunikation hauptsächlich auf Facebook statt. Das Barcamp brachte mich zum Twittern. Es war ein komisches Gefühl auf eine Konferenz zu gehen und nur Smartphone und USB-Stick im Gepäck zu haben. Ich verharrte sogar kurz vor meinem Bücherregal und war im Begriff instinktiv eine Fibel einzupacken. Aber ich blieb hart und wollte nicht zu sehr auffallen. Was mein lieber Besuch aus Hamburg allerdings erschwerte, denn jüngst an diesem Wochenende musste ich die mediale Geburt von Captain BämBäm miterleben. Aber dazu später mehr. Wir bleiben erst sachlich.

Samstag: Auf Geht´s!

Mit wenig Schlaf und dem Eier-Ladegerät geht´s los. Der Pförtner ist auf Zack – er hat anscheinend Foursquare und sieht, dass wir punktgenau grad auf dem Gelände der Rheinischen Post in Düsseldorf Heerdt einchecken. Die Schranke öffnet sich von Geisterhand – wir liken ihn dafür und parken. Wow. Vielleicht haben sie auch Pflegeroboter, fragen wir uns. Das Briefing des Kollegen bestand daraus, dass es von der kritischen Mett-Masse beim Frühstück abhänge, ob es eine erfolgreiche Veranstaltung wird.
Wir betreten das Tagungscenter der Rheinischen Post. Die Stimmung ist gut. 150 bis 200 Leute tummeln sich in den schönen Räumlichkeiten, einige trinken Kaffee manche frühstücken oder werden wach. Andere frohlockten dem Tag entgegen und frönten dem Mett. Da alle hier per „Du“ sind, ist es einfach Kontakte zu knüpfen. Namensschilder mit Twitteraccount geben Gelegenheit zu Gesprächen und erleichtern das analoge als auch digitale „Networking“.

Begrüßung & Planung

Um 10:00 Uhr geht´s dann richtig los. Stefan Evertz, seineszeichen Barcamp-Urgestein und Oliver Havlat von der RP-Online eröffnen das BarcampDUS 2013. Sie erklären die Spielregeln und anschließend ist Vorstellungsrunde. Vielleicht nicht jedermanns Sache aber ein wichtiges Element, damit ein Barcamp gelingen kann. Jeder sagt seinen Namen und drei Hashtags, die zu seiner Person passen. Eine halbe Stunde später sind die Sessions vorgestellt und auf die Räume verteilt. Schnell stellte sich raus, dass ich die Twitter-App nicht umsonst installiert hatte. Ein wahrhaftiges Gezwitscher unter dem (Hashtag) #barcampDUS bei Twitter entstand, seitdem die ersten Besucher auf den Beinen waren. Anreise, Frühstück Vorstellungsrunde die Anlässe für Tweets stiegen an.
Folgende Sessions besuchte ich am Samstag, wobei ich im Konflikt war, wohin ich denn gehen sollte, da viele Angebote interessant erschienen. Den kompletten Timetable und Links rund um das Barcamp findet ihr weiter unten.

Die Sessions am Samstag

  • Ich besuchte die Session über „The Lean Startup“ von Peter Grosskopf (http://www.zweitag.de/). Hier gings um eine Alternative zum klassichen Startup. Es gab Beispiele und Informationen darüber, dass ein „Wasserfallmodell“ nicht immer der Königsweg ist.

     

  • Um 12:00 stand die Session „Gamification“ von und mit Tim Bruysten auf der nun vorhandenen Ad-hoc-Agenda. Das der Mensch trotz Web 2.0 seinen inneren Spieltrieb nicht verloren hat sehen wir jeden Tag – das Web arbeitet an immer subtileren Spielen. Ebenfalls eine sehr spannende Session. Als Praxisbeispiel waren auch echte Kinder anwesend die für eine lockere Atmosphäre sorgten. Das passte ins Bild.
  • Anschließend ging es in die Session über „Xing und Linkedin“ von Lars Hahn. Hier habe ich gemerkt, dass man als Basis-Mitglied bei Xing ziemlich limitiert in den Funktionen ist. Aber dafür konnte unser Sessionleiter ja nix. Die Zeit war auch hier viel zu kurz.
  • Für den Büdchenblog als lokalkolorit-stärkendes Medium, war die Session über das Blogprojekt von Axel Kopp „The Duessel“ besonders interessant. Ein Stadtblog über Off-Kultur, Szene und Veranstaltungen.the duessel
  • Die Session über „Google Hangout on Air“ by @fiene hat besonders viel Eindruck hinterlassen. Ich glaub nicht nur ich war erstaunt, zu was dieses Tool alles in der Lage ist. Es gab eine Liveschaltung, es wurden wichtige Tipps gegeben – alle kamen auf ihre Kosten. Wer wirklich noch die gute alte in Häkelkunst eingebettete Wählscheibe kennt, kratzt sich während dieser Session den Kopf.
  • Morgens Mett – abends Met
    Zum Abschluss wurde es praktisch: „Imker-Session“ stand auf dem Plan. Nach einem leckeren Löffel Honig – Jahrgang 2013 – zur Begrüßung durften die Teilnehmer ein Bienen-Zuhause auf den Kopf stellen. Als jemand der ernsthaft über Balkonbienen nachdenkt, kam die Session von @50hz @51hz wie gerufen. Wir durften uns im Zusammenbau einer Bienebeute versuchen. Beim Versuch blieb es aber auch. Gar nicht so einfach es Maja und Willy gemütlich zu machen. Ein klasse Abschluss und ein wunderschönes Beispiel dafür, dass viele Teilnehmer des Barcamps neben dem Netz durchaus Interessen pflegen, die rein gar nichts mit technischer Errungenschaft zu tun haben.

Ausklang und Come together

Es war nicht nur mein erstes Barcamp. Sondern auch eine verrückte Nacht mit Barcamp-Teilnehmern. An meiner Seite: Geballte Digital Women Power und als Pendant ein wurstfixierter @aphasio. Diese Mischung versprach einiges. Die „Afterwork“ Session-Planung beschränkte sich auf das Nötigste: „Irgendwo auf der Kurzen Straße!“ Wir trafen uns mit den letzten Gewillten zwischen Pizzadreieck und Schweinebrötchen. Die bislang unerkannte, deutsche Ausgabe von Walter White war mit von der Partie. Es gab Alt in Gläsern und Pils aus Flaschen. Alles lief – wie tagsüber auch – nach dem nicht vorhandenen Plan. Wetterbedingt wechselten wir die Lokalität. Tobsucht-mäßige Lachanfälle zweier anonymisirten Menschen pflasterten ab da unseren Weg. Wir wechselten erneut die Lokalität – (Danke Foursquare!) Während wir für unsere Flasche tanzten muss es passiert sein: Ein kurzer Geistesblitz, ein alkoholbedingtes Torret und „Captain BämBäm“ war geboren. Ein kurzer Auftritt in der Düsseldorfer Nachtwelt und 15-Minuten Ruhm am Barcamp-Sonntag. Das ist die kurze aber intensive Vita von „Captain BämBäm“.

BarcampDUS Tag 2

Nach Kürzer kürzertreten. Dass passte. Wir schafften es dennoch rechtzeitig zu Sessionplanung ein und freuten uns über einen abwechslungsreichen Timetable und Leberwurst statt Mett. Ich startete mit „Improtheater und Design Thinking“ in den Tag. Das Kollektive sich zum Affen machen gefiel uns tierisch, sodass wir überzogen.

  • Nach einer Pause folgte der „Vine Workshop“ von Claudia @gastroImNetz. In Zeiten wo Storytelling immer wichtiger wird ist Vine eine nette Plattform um sechs Sekunden Filme zu drehen. Ja ihr habt richtig gelesen: NUR NOCH 6 SEKUNDEN! Und der „Vin“ bekommt eine „e“ angehängt. Verblüffend wie viel Informationen in dieser scheinbar kurzen Zeit untergebracht werden. Die vielseitigen Speicher-Möglichkeiten, als externe Datei oder das Embedden bei anderen Plattformen ist klasse. Ich freue mich schon auf Knete, Bauklötze, Seifenblasen etc. mit denen man tolle Clips drehen kann. Es stehen uns bald genügend Feiertage, kleine und große Statisten und Protagonisten zur Verfügung.

  • „Eventkommunikation 2.0“ Last, but not least hatte ich dann doch noch Gelegenheit zu einer Session von Stefan Evertz zu gehen. Auch hier wurde die Zeit knapp. Stefan Evertz aka @hirnrinde hatte eine Umfrage zum Besucher- und Informationsverhalten von Veranstaltungsbesuchern durchgeführt. Auch hier wird deutlich, dass unterschiedliche Zielgruppen gewissen Social Media Plattformen mehr oder weniger bevorzugen. Alles wiederzugeben würde hier den Rahmen der Blogparade sprengen. Daher findet ihr die komplette Auswertung in der Slideshow. Das Thema Demografie betrifft auch den Social Media. Überspitzt gesagt hat die Web-Szene ein genauso großes Nachwuchsproblem wie die MINT-Fächer oder der Pflegesektor – wenn man von der Umfrage ausgeht.

    Dann war leider schon Schluss. Die „Abschlusssession“ spiegelte noch einmal das wieder, was das erste Barcamp Düsseldorf war: einfach großartig. Alle Beteiligten bekamen zu recht einen großen Applaus.

    Abschluss-Session

    Resümierend lässt sich sagen: Etwas Zeitgemäßeres als ein Barcamp habe ich noch nie erlebt. Die Welt dreht sich in manchen Bereichen zu schnell um Monate vorher Konferenzprogramme en détail zu planen, zu produzieren und womöglich noch postalisch zu verschicken. Bei dem Stellenwert, den das Web in der Gesellschaft einnimmt, muss man neue Strukturen schaffen. Ein Barcamp trägt diesem Trend Rechnung. Auffallend fand ich die Tatsache, dass viele Teilnehmer auch noch sehr viel Spaß an „analoger“ Beschäftigung haben- abseits der digitalen Welt.

    Für mich war es eine Bereicherung in jeder Hinsicht und ich kann nur jeden ermuntern an einem Barcamp teilzunehmen.
    Ich werde versuchen an eins der heiß begehrten Tickets für das Barcamp in Hamburg zu kommen. Dann gibt es eine Session – natürlich über Büdchen bzw. den Buedchenblog.

    Und wenn Captain BämBäm nicht gestorben ist dann zwitschert er noch heute…

    http://cortexdigital.de/2013/09/blogparade-dein-erstes-barcamp/
    http://www.barcampduesseldorf.de/
    http://www.tonight.de/fotos/rp-konferenzzentrum-duesseldorf/barcamp-dsseldorf-2013-tag-2.423286
    http://www.timetabler.de
    http://www.rp-online.de

photo credit: @aphasio

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